Die Netzeitung, die jetzt leider sterben wird, hat es noch einmal schön ausgedrückt:
"Immer mehr Beobachter sind differenziert ratlos.
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Die "Welt Online" beispielsweise, deren "Autoredaktion" vier Redakteure hat, Politik-, Wissenschafts- und Kulturressort aber mit jeweils zwei Mitarbeitern auskommen, demonstriert nun mit einem neuen „eMag“, warum es beim ersten Mal immer schiefgeht, wenn ein Schafhirte auf die Zucht von Perserkatzen umsattelt. Das fängt damit an, dass man auf der Hauptdomain welt.de überhaupt keinen Hinweis dazu findet.
Himmelschreiende Anfängerfehler bei der "Welt"
Das muss jetzt wiederholt werden, weil es so unglaublich ist: Die "Welt" launcht ein neues Produkt mit dem Namen "eMag", und auf ihrer Startseite findet sich kein einziges Mal die Buchstabenkette „eMag“. Allein Google half, zumindest den Trailer zu finden. Ist das nicht bezeichnend? Doch auch dort ist heute (24.11.) kein Link zur eigentlichen Seite.
Es lohnt sich auch gar nicht, denn diese Totgeburt von "eMag" trieb die Auslastung des 1,7 Ghz Dualcore erst einmal auf 70 % für seine „3D-Animationen“:
Angeprisen werden dann die Themen "Guttenbergs Kraft - was ihn so stark macht" oder "Ski laufen, Panzer fahren - 24 Trips für den Advent". Wenigstens stellt das "eMag" mit der grossen Schlagzeile die richtige Frage:
Wer ist hier eigentlich irre?
Jetzt wundert eigentlich nur noch, warum sich ausgerechnet die "Frankfurter Rundschau" nicht zu deutlich mehr Häme angestachelt fühlte. Vielleicht versteht man sich dort eher als Florettfechter denn als Artilleriedivision? Vielleicht denkt man auch, dass der verständige Leser den Witz von selbst begreift, wenn man ihm nur ein Zitat des Springer-Vorstandschefs vorsetzt? Dieser sagte nämlich: Ob Online-Angebote künftig bezahlt werden, hänge von deren Gehalt ab, denn
"am Ende zählt das Charisma des Inhalts.
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Jedenfalls, Herr Döpfner, Respekt für Ihre durchschlagende Erkenntnis. Hoffen wir, dass sie Ihnen weiterhilft, denn mit dem „eMag“ haben Sie noch alle Hände voll zu tun.
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Warum nochmal ging das antike Rom unter? Weil die Römer vor lauter Macht und Wohlstand faul und fett und feist geworden waren. Sich ausruhten, die Augen verschlossen, sich nicht anpassen wollten an die veränderten globalen Bedingungen. Dass damals ein Haufen Gesetze gemacht wurde, gegen die einfallenden Goten, Germanen, Vandalen, das ist anzunehmen. Geholfen haben sie nichts, genauso wie den Entscheidern, die heute nach einer Lösung der Medienkrise per Gesetz rufen, kein Gesetz helfen wird. Gegen historische Entwicklungen kann man keine Gesetze machen. Ohnehin lenkt das Geplärre vom „Leistungsschutzrecht“ nur vom eigentlichen Problem ab. Angesichts der Ungeniertheit, mit der sie ihre Gläser, Kumpels, Frauen in die Kamera halten, eine Orgie der Egomanie feiern, des Selbstbezugs und der Sattheit, drängt sich auf, wovor diese Leute in Wahrheit geschützt werden müssen: Vor sich selbst. Allenfalls noch zum Spass spielen sie eine Art Monopoly, und rufen nach Gesetzen, weil das zum Spiel dazugehört, wie das Aufnehmen einer Ereigniskarte: Man weiss zwar nicht so genau, was dabei herauskommt, aber man kann es ja mal versuchen. Es wäre unterhaltsam gewesen, an jenem Abend ein paar Testfragen zu stellen („Was ist ein RSS-Feed? Inwiefern haben RSS-Feeds das Internet verändert, was ist ihre Bedeutung, wo ihre Grenzen?“), aber auch Zeitverschwendung. Fest steht: Bei der Mehrheit der schrumpfenden Verlage wird die nötige Kompetenz nicht mehr rechtzeitig eingekauft werden, um das Geschäftsmodell noch zu transponieren. Dafür sind ihre Parties ein deutliches Zeichen.
Das sind also die, die sich öffentlich darüber beklagen, dass Google Inhalte "klaut", gleichzeitig aber einen professionellen Fotografen bezahlen, um später Fotos ihrer Veranstaltung gratis ins Netz stellen zu können. |
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Wer wollte eine solche Mischpoke noch ernsthaft beraten?
Weil es zumindest noch etwas bei Verstand ist, hat das wahre Establishment der Medienwelt eine gewisse Chance, sich ein profitables, wenn auch kleines Geschäftsfeld zu erschliessen: Murdoch und Microsoft rotten sich nun zusammen, ein lustiges Wort ist dafür auch schon gefunden: "Microdoch".
Aber das wird in Gesamtbetrachtung wenig Einfluss haben, wie schon Google in seiner direkten Reaktion angemerkt hat. Don Alphonso, der Chefzyniker der deutschen Blogosphäre, sieht sogar einen Nutzen:
"Jedes Stück von Springer und Murdoch, das hinter einer Bezahlwand verschwindet, steigert die Qualität des Internets. Also, sperrt Euch ein! Baut möglichst hohe Mauern! Und krepiert dahinter! Es wird unser aller Schaden nicht sein.
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Die eigentliche Frage lautet: Wie informiert sich in Zukunft die Masse? Reicht die in traditionellen Verlagen akkumulierte Autorität (auch euphemistisch „Seriösität“ genannt) noch aus, um das Interesse der Leute nachhaltig zu binden? Oder hat das Internet einer kritischen Masse von Rezipienten längst diejenige Medienkompetenz beigebracht, die nötig ist, um direkt aus den Quellen zu schöpfen, selbstständig zu gewichten und zu bewerten?
Dr. Döpfner würde es nicht gern hören, aber sobald man mündiger Rezipient ist, spielt es keine Rolle mehr, ob er einem schreibt, einer seiner Partyschergen, oder Don Alphonso. Oder allenfalls insofern, als dass letzterer zumindest zum Nachdenken anregt. Mehr noch: Sobald man den Reichtum und die Vielfalt des Netzes einmal für sich entdeckt hat, liest man eben nicht mehr die "Welt", weil man zart spürt, was diese Publikation gerade bitter erlebt:
Eingekauften Intellekt zu „monetarisieren“ ist endgültig so abgedroschen, dass man damit noch nicht einmal mehr Geld verdienen kann.
Direkt an der Quelle findet der Leser die Informationen früher, Tage bevor sie irgendein Schreiberling ausgegraben, seinem Chefredakteur schmackhaft gemacht und erfolgreich verwurstet hat. Wenn sich nun ausgerechnet der Katastrophenjournalismus hinter Paywalls verschanzen will, dann wäre das in der Tat nicht tragisch, denn niemand braucht ihn.
Kann diese Entwicklung noch jemand umkehren? Nein. Man müsste dazu den Lesern ihre Medienkompetenz wieder wegnehmen. Dass Springer und Murdoch tatsächlich auf Volksverdummung abzielen, ist oft unterstellt worden. Dass Microsoft keine politischen oder gar pädagogischen Ziele verfolgt, sondern nur ökonomische, liegt nahe.
Etwas weniger polemisch jedoch lautet die Einschätzung: Keine technologische Entwicklung ist nachhaltig daran gescheitert, dass die Menschheit zu dumm für sie gewesen wäre. Die freie globale Publikation - das ist die radikale Demokratisierung der Chance, sowohl unabhängig zu publizieren, als auch kostenlos zu rezipieren - ist ein Axiom des Internets. Das Netz hat die Machtmonopole über die Nachrichtenlage fragmentiert und in einen nahezu idealen, weil in Echtzeit für alle vollständig transparenten Markt für Meinungen und Informationen transformiert. Im Rahmen des Kartellrechts und angesichts der verteilten Infrastruktur des Netzes ist dies unumstösslich.
Deshalb liegen die Hürden für das Geldverdienen im Internet so hoch. Wer es trotzdem noch versuchen will, der muss weiter innovieren. Die grossen (Google, Wikipedia, Facebook, Twitter, die Blogosphäre in ihrer Gesamtheit) und kleinen (Huffington Post, plista) Innovationen des Internets vergleichend zu analysieren, ist dazu unverzichtbar, dass im Zuge der Umwälzungen die Springerpresse hopsgeht, wahrlich von nachgelagerter Bedeutung.
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Update, 25.11.: Die Medienkrise in Folge 3 des Web-TVs der Trendpiraten. Nett gemacht. Vielleicht nicht 100 % "professionell" nach herkömmlichen Masstäben. Aber das macht nichts.
Was hat das Video wohl in der Produktion gekostet? Und was hätte es wohl gekostet, wenn die "Welt" es für ihr "eMag" produziert hätte?
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