Online-Fundraising ist inzwischen für gemeinnützige Organisationen unverzichtbar. Der Verein "donum vitae e.V." hat ein gutes Thema - macht aber noch zuwenig daraus.
Im Internet Spenden einzuwerben ist inzwischen für gemeinnützige Organisationen unverzichtbar. Das Problem: Anders als im "E-Commerce" hat man, außer dem guten Gefühl, nichts zu "verkaufen". Zudem fällt es im Internet immer schwerer zu überzeugen als von Angesicht zu Angesicht. Umso wichtiger sind sorgfältig aufbereitete Geschichten, die auch bei einem zufälligen Besucher auf spontane Zustimmung stoßen.
Nicht jede Organisation hat ein derart zugkräftiges Thema im Portfolio wie donum vitae (zu den Hintergründen des Vereins): Das Robobaby, eine Puppe mit Stromanschluss und einem Haufen Sensoren, die einen Säugling simuliert. Es ist auch erhältlich in den Varianten "alkoholgeschädigtes Baby", "drogengeschädigtes Baby" und "Schütteltrauma"; bei letzterem zeigen LEDs im Schädel der Puppe in Echtzeit an, wo Hirnschäden entstehen, wenn das Baby zu starke Beschleunigung erfährt.
Die Freiburger Beratungsstelle des Vereins hat das Potential der Babysimulation erkannt. Sie bietet, eingebettet in ein umfangreiches Betreuungskonzept, ein drei Tage und zwei Nächte dauerndes Seminar an, in dem junge Menschen ausprobieren können, wie sich ein Kind anfühlt. Dem Vernehmen nach sind die Veranstaltungen ständig ausgebucht, und die von Mutterschaft potentiell gefährdeten Teenager danach von ihrem Kinderwunsch geheilt. Eine großartige Idee, die Respekt verdient.
Wie könnte man aber nun Kapital daraus schlagen? Sicher nicht von den Teilnehmern dieser Seminare, denn das sind Heranwachsende ohne finanzielle Spielräume. Freilich gibt es noch andere, die sich trotz Kinderwunsch kaum in eine Beratungsstunde verirren: Gut ausgebildete Doppelverdiener, welche ihr Leben ohnehin schon unter generalstabsmäßiger Planung haben. Ihnen muss das Robobaby als willkommene Gelegenheit erscheinen, die neue Situation unverbindlich auszuprobieren.
Leider ist das Robobaby bisher nur käuflich erhältlich. Verschwendetes Geld, spätestens wenn das "echte" Baby dann da ist. Wie wäre es also mit Miete, 99 EUR vielleicht, für drei Tage?
Bis zu welchem Grad ein gemeinnütziger Verein in ein solches Geschäftsmodell einsteigen kann, ist eine rechtliche Frage und hier nicht Thema. Was er aber sicherlich könnte: Die begleitenden Online-Maßnahmen betreiben und betreuen. Denn so groß die inneren Hemmungen junger Akademiker auch sein mögen, sich unter die Fittiche einer "Beratungsstelle" zu begeben - so internetaffin sind sie, und gewohnt, sich online anonym Rat zu holen. Ein von donum vitae moderiertes Diskussionsforum hätte einen nachhaltig markenstützenden Effekt. Es könnte gut mit Online-Spendenmarketing kombiniert werden, erschlösse eine völlig neue Zielgruppe, und ließe sich schließlich zu einem ganzheitlichen, fachlich hochwertigen Online-Beratungsangebot ausbauen.
Die Freiburger sind mit dem Keyword robobaby bei Google auf dem ersten Platz, bei nur 3 Backlinks und trotz der Berichterstattung der Badischen Zeitung (PageRank 6!). Die Zeit scheint günstig, denn das Feld ist offensichtlich noch nicht bestellt.
Update, 23.3.: Das Google-Keyword "Babysimulation mieten" spült Besucher auf diese Seite. Das kommt nun aber doch etwas überraschend. Also, lieber Besucher: Zufällig auf der Suche nach einem guten Geschäftsmodell? Der Markt wäre da! ;)