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Der Gelsenkirchener Künstler Christian Nienhaus hat am kommenden Sonntag Großes vor: Er malt ein Bild und ruft 6,6 Milliarden Menschen dazu auf, ihn dabei zu inspirieren. Ab 19 Uhr kann man über http://www.christian-nienhaus.de/Livestream.html Bilder, Musik, Texte und Filme schicken. Diese werden in seinem Atelier per Beamer auf die Leinwand projiziert und direkt künstlerisch verarbeitet. "Inspire me" heißt die Performance.

Nienhaus, der eine generelle Affinität zu der Verbindung von Kunst und Technik zu haben scheint, macht sich so zum ausführenden Werkzeug kollektiver Kreativität. Er demokratisiert seine Kunst, so wie das "Web 2.0" Informationen demokratisiert. Außerdem ist das Vorhaben ehrlich, noch viel ehrlicher als einer, dem momentan einiges an Authentizität zugesprochen wird: Barack Obama. Als erster amerikanischer Präsident versucht er sich auf Youtube, musste aber die Kommentare abschalten, denn "YouTube comments are typically the intellectual equivalent of truck-stop graffiti" - ein Umstand, den jüngst auch die Blogbar in gewohnt launischem Ton thematisierte.

Schematische Darstellung von "inspire me" (Klick zum Vergrößern)
Quelle: www.christian-nienhaus.de

Es ist nicht die Schuld von Obama, wenn das Publikum gedanklich nicht mitkommt. Dass dergleichen bei Nienhaus passiert, ist indes nicht zu erwarten. Denn sein Workflow gibt ihm die Möglichkeit, auch die derbste Zote noch in einen geistreichen Witz zu verwandeln. So kann er verhindern, durch öffentlichen Input in Misskredit zu geraten. Er wahrt also die Transparenz, gibt die Kontrolle über deren Gefahren trotzdem nicht auf.

Was heißt das für Social Media? Wer an einem Online-Geschäftsmodell bastelt, wird das Nienhaus-Konzept kaum direkt adaptieren können. Man kann den Künstler allerdings als Protagonisten derjenigen intellektuellen Offenheit ansehen, die es braucht, um Menschen zum Mitmachen zu bewegen.

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