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Cross Media auf dem Vormarsch

Thomas Schieke, 26.03.2009

Am 19.3. hat der Verwaltungsrat der SRG SSR eine einschneidende Umstrukturierung bekanntgegeben. Waren die Redaktionen bisher klassisch nach Medienkanälen aufgeteilt, so ist nun die Zusammenlegung von TV, Radio und Online zu multimedialen Unternehmenseinheiten nach Sprachregionen beschlossene Sache.

Nicht nur bei der SRG wird die "medienübergreifende, publizistisch-redaktionelle Zusammenarbeit" angestrebt. Die Hintergründe sind bekannt. Print und TV verlieren ihre Konsumenten, die Unternehmen haben längst begonnen, ihre Werbebudgets ins Internet umzuschichten (vgl. auch das Impulsreferat von Dr. RomanLeuthner bei den Münchner Medientagen 2008 und Schweizer Statistiken). Die aktuelle Wirtschaftskrise wirkt dabei als Katalysator. Klar ist: Mit einem Kanal alleine ist nichts mehr zu gewinnen.

In der Summe ist der Alltag der Menschen aber medial geprägt wie nie zuvor, und daraus erwachsen auch neue Chancen. Im Rahmen crossmedialer Zusammenarbeit muss zu allererst der gegenseitigen Kannibalisierung im eigenen Hause entgegengesteuert werden. Doppelberichterstattung auf zwei Kanälen schadet. Ziel ist vielmehr kanaladäquate Berichterstattung, die ergänzend, interaktiv und aktuell den Konsumenten als Leser, Hörer, Zuschauer und User bindet. Dazu braucht es Erfahrungswerte, welche Themen und Beitragsformen auf welchem Medium am besten funktionieren.

Neben dem Mehrwert durch inhaltliche Koordination sind Kosteneinsparungseffekte ein weiterer Grund. Aber nicht nur Synergieeffekt aus Kostenperspektive stehen in Aussicht, sondern auch völlig neue Erlösquellen

Natürlich stellt das die Medienhäuser vor völlig neue Herausforderungen:

  • Die Produktionsprozesse und Kulturen sind pro Medienkanal gewachsen, sie lassen sich nicht auf einen Schlag integrieren. Ein Presseorgan hat immer auch eine Identität, die dabei nicht verwässern darf.
  • Die Redakteure müssen lernen, in mehreren Medienkanälen und Medienwelten gleichzeitig zu denken. Sie müssen dazu die nötige spezifische Medienkompetenz aufbauen.
  • Die medienübergreifende Themenplanung bedarf neuer Koordinationsprozesse bei Produktion und Distribution, um die Kooperation zwischen den Redakteuren sicherzustellen.
  • Keinesfalls darf Parallelität von Inhalten entstehen. Denn dann funktioniert die mehrdimensionale Kundenbindung gerade nicht. Google droht schon jetzt, die lokalen Redaktionen obsolet zu machen - die Konsequenz kann nur sein, sich umgekehrt bei Google zu bedienen und nur ausgesuchte Themen zu besetzen.

Wie die SRG selbst diagnostiziert, führt die aktuelle Entwicklung scheinbar zu einer Kürzung ihres Angebots, zu einem Verlust von Vielfalt. Aber in Wirklichkeit herrscht mehr Vielfalt, nur nicht unter der Marke der traditionellen Medienhäuser. Weder schwindet das Medieninteresse der Menschen, noch die Attraktivität der bestehenden Angebote. Der Konsument hat aber an Informationssouveränität gewonnen und informiert sich, nach Lust und Laune und über Mediengrenzen hinweg, und bestimmt dabei selbst über Zeitpunkt, Umfang und Tiefe.

Wie holt man die Internet-Themenflut im Internet wieder zurück unter das eigene Dach? Ein simpler (und auch nicht neuer) Vorschlag an Fernseh- und Radiosender sind Themenportale, die die Beiträge der Masse reintegrieren. In der Themenauswahl, ihrer Einordnung und Bewertung liegt immer noch die Stärke der professionellen Journalisten. Ein Blogger würde sich also geehrt fühlen, wenn er in den Rang des "Korrespondenten" aufstiege, einfach dadurch, dass ein "offizielles" Presseorgan seine Beiträge zu einem bestimmten Thema übernähme. Natürlich in einer sorgfältig ausgewogenen Mischung mit anderen.

Technisch ist das keine grosse Herausforderung, selbst wenn man nochmals einen Freigabemechanismus davorsetzt. Aber man muss es eben wollen, und das nagt am Stolz des Berufsstandes.

Update 9.4.:

Webfundstück - so fing das alles an, im Jahre 1981:

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