Unter dem Motto “Mit Agilität zuversichtlich in die Zukunft” fand letzten Freitag die mittlerweile fünfte Ausgabe der Lean, Agile & Scrum (LAS) in Zürich statt. Unter den Teilnehmern waren vorwiegend Einzelpersonen und Organisationen, die die Schweizer Lean/Agile Community aktiv mitgestalten – also auch YMC. Und ganz im Sinne von Mitgestaltung äussere ich hier meine persönlichen Gedanken zur LAS…

Starpotential: Kanban

Auf der LAS 2013 hat sich erneut mein Eindruck bestätigt, dass Kanban speziell gegenüber Scrum zunehmend an Popularität gewinnt. Obwohl beide Ansätze als Vorgehensmodelle nur schwer direkt miteinander vergleichbar sind (Framework vs. Tool) bzw. komplementär zueinander sind (Scrumban), treten sie in der Praxis oftmals in Konkurrenz zueinander. Gerade in Organisationen, in denen Scrum(but) bereits implementiert ist, besteht oftmals der Wille, für Folge- oder Teilprojekte zu Kanban zu “wechseln”. Nachdem ich diese Beobachtung bereits durch meine persönliche Projekterfahrung und dem Feedback aus der Swiss Limited WIP Society machen konnte, haben mir die Kanba(h)n Success Story bei der SBB von Michael Beyer und Siegfried “Siggi” Kaltenecker, sowie der Talk von Michael Rumpler über “Continuous Flow vs. Timeboxes” die möglichen Gründe hierfür aufgezeigt:

Slide bzgl. Transformation Wasserfall > Scrum > Kanban aus dem Talk “Continuous Flow vs Timeboxes und der Effekt auf die Qualität der Ergebnisse” von Michael Rumpler

Es ist nicht nur der Umstand, dass Kanban mit nur 3 Praktiken “leichtgewichtiger” daherkommt als Scrum mit seinen 3 Rollen, 5 Events und >3 Artefakten (siehe auch Henrik Knibergs Kanban and Scrum – making the most of both). Es ist vielmehr auch die bessere Praxistauglichkeit von Kanban, eine Organisation zur agilen Organisation zu transformieren: Kanban kann leichter schrittweise um agile Praktiken erweitert werden. Im Extremfall kann das schlussendlich sogar (wieder) hin zu Scrum führen. In diesem Fall geschieht das dann aber “emergent” im Rahmen von Kaizenund nicht strategisch geplant.

Grossartig: Networking-Möglichkeiten

Bei Konferenzen im Allgemeinen sind die Möglichkeiten Networking zu betreiben mindestens so interessant wie die Sessions an sich. Für eine Konferenz zum Thema Lean/Agile gilt das um so mehr. Schliesslich treffen hier Menschen zusammen, die im Entwicklungsprozess die unterschiedlichsten Rollen ausfüllen und sich sonst eher selten über den Weg laufen. Das hat sich bei der LAS 2013 erfreulicherweise auch in der Konferenzagenda widergespiegelt. Neben fünf parallelen Tracks mit jeweils einem thematischen Fokus (Scrum, Leadership, Lean Innovation, Methoden & Tools, Kanban) hatten selbst die beiden Keynotes der Konferenz grundverschiedene Zielgruppen: Während die erste Keynote (Erik Dörnenburg: “Architektur ohne Architekten”) ein Thema mit starkem Engineering-Bezug aufgriff, hatte die zweite Keynote (David Snowden: “Making Sense of complexity”) das Cynefin-Framework und komplexe adaptive Systeme zum Thema.

Auch organisatorisch hat der Konferenzveranstalter, die Fachgruppe Lean, Agile, Scrum der SwissICT, seine Hausaufgaben gemacht: Neben grosszügigen Pausen zwischen den Sessions gab es im Anschluss der Konferenz einen Apéro, so dass genug Zeit und Gelegenheit blieb, mit dem ein oder anderen Konferenzbesucher oder Speaker Diskussionen aus den Sessions fortzusetzen oder einfach nur etwas aus dem agilen Tagesgeschäft zu plaudern.

Vermisst: #NoEstimates

Wenn es in der Lean/Agile Community derzeit einen Trend gibt, dann gehört die #NoEstimates-Bewegung sicherlich dazu:

By estimating, rather than fixing, cost we have no greater insight into the value, which is also estimated. Essentially we are increasing our risk by estimating both cost and value rather than just value, which is what #NoEstimates promotes. – Neil Killick

Mein positiver Gesamteindruck von der LAS 2013 ist deshalb leicht getrübt, da es keine Session zu #NoEstimates gab, obwohl das Thema gar Keynote-würdig gewesen wäre. So muss ich mich auf das nächste Event zu diesem Thema vetrösten.

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