Zusammen mit Jean-Pierre König habe ich vergangenen Freitag die Agile Bodensee in Konstanz besucht. Die Konferenz drehte sich rund um das Thema agile Softwareentwicklung in der Praxis. Unter dem Motto “Collaborate & Communicate” war das Spektrum an Vorträgen inhaltlich sehr breit angelegt: Auf dem Programm standen zum einen Ausflüge in die Geistes- und Naturwissenschaften, bei denen das (Selbst-)Management in agilen Organisationen hinterfragt wurde. Zum anderen gab es aber auch Erfahrungberichte und handfeste Best Practices zu agilen Praktiken aus Engineering-Sicht. Entsprechend bunt setzte sich auch der Teilnehmerkreis der Konferenz zusammen – Projekt-Stakeholder in den unterschiedlichsten agilen Rollen vom Entwickler  bis zum QA-Manager, Vertreter aller Unternehmensgrössen, und Besucher von nah und fern der Bodenseeregion.

Gerade der letzte Punkt hat mich tatsächlich etwas überrascht. Schliesslich zählt die Region rund um Konstanz gegenüber dem unweiten Zürich oder den benachbarten deutschen IT-Zentren München, Stuttgart und Karlsruhe nicht zu den üblichen Konferenzorten. Die Attraktivität, die die Konferenz nichtsdestotrotz auf Besucher vor Ort als auch von “auswärts” im Voraus ausübte, scheint jedenfalls auch nach der Konferenz nicht abgeklungen zu sein. Obwohl ich die Ergebnisse der von den Veranstaltern zum Abschluss ausgeteilten Umfragebögen noch nicht kenne, habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Agile Bodensee sich bei den Teilnehmern als eintägige Debütkonferenz für “Agilists” aus dem dem deutschsprachigen Raum ausserordentlich gut behaupten konnte.

Das Steigenberger Inselhotel in Konstanz als Veranstaltungsort (Quelle: http://www.holidaycheck.de)

Mit sieben Vorträgen war das Programm zwar stark verdichtet, deren überwiegend sehr hohe Qualität entschädigte dafür umso mehr für die kognitive Anstrengung, die man an den Tag legen musste um allen Speakers aufmerksam zu folgen. Spätestens die Keynote von Joseph Pelrines über das Cynefin Framework holte auch die Teilnehmer der hintersten Sitzreihe aus dem nachmittäglichen Aufmerksamkeitsloch. Sein Vortrag, bei dem er weitgehend auf Slides verzichtete, glich mehr einer One-Man-Unterhaltungsshow. Man vergass teilweise gänzlich, dass man sich auf einer Konferenz befand. In solchen Momenten wies Pelrine den sichtlich vergnügten Saal immer wieder mit dem selbstironischen Satz “I’m serious, I’m a scientist” auf die Wissenschaflichkeit seines Themas hin. Zusammen mit der Keynote von Jurgen Appelo über Management 3.0 war das sicherlich das Highlight der Agile Bodensee – hochinteressanter und hochaktueller Inhalt mit starkem Prozess-Bezug, tiefgründig und unterhaltsam zugleich.

Auch die anderen Vorträge mussten sich hinter den Keynotes nicht verstecken. Allgemein war die Praxisrelevanz bei jedem Vortrag gegeben und ich konnte eine ganze Menge Anregungen und neue Fragestellungen für meinen Projektalltag mitnehmen. Zudem ermöglichten es die mit 30 Minuten üppig bemessenen Kaffeepausen, reichlich neue interessante Persönlichkeiten kennenzulernen. Folglich kann ich unverblümt ein grosses Lob an die Veranstalter aussprechen, welche mir schon zuvor aus dem Agile Breakfast der Scrum User Group Lake Constance als kompetente Agilists vertraut waren. Mit dieser Konferenz wurde den agilen Organisationen im trinationalem Bodenseeraum endlich mal die überregionale Sichtbarkeit innerhalb der Agile Community zuteil, die sie sich zurecht verdient haben. Gerne sind wir von YMC bei einer Fortsetzung der Agile Bodensee erneut dabei. Und bis dahin haben wir vielleicht auch eine Lösung zu Joseph Pelrines Schlussatz “If Scrum is the answer, what is the question?” gefunden.

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